Playground - festival of earlymusic das Festival . 2017 . 2016 . 2014 . 2013 . 2012 . 2011
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So war das
5. Playgroundfestival of earlymusicfolk 2016

Playground

"Latin Baroque"
gemeinsame Wurzeln südamerikanischer Folklore & spanischer Barockmusik
18.-20.11.2016 mon ami Weimar

The Playfords

Ein Kulturtransfer der besonderen Art :: Von der Alten in die Neue Welt & wieder zurück
Als Christoph Columbus 1492 die "Neue Welt" entdeckte, begann eine neue Epoche der Menschheit  - und ein Kulturtransfer der besonderen Art. Im Zuge der Missionierung entstanden in Lateinamerika im 16. Jahrhundert nicht nur glanzvolle Sakralbauten, sondern auch zahlreiche musikalische Werke, in denen europäische Kompositionstechniken mit lateinamerikanischen Einflüssen verschmolzen. In Südamerika treffen im 16. Jahrhundert drei Kulturen aufeinander: Die Ureinwohner Südamerikas, spanische Eroberer und afrikanische Sklaven. Von Mexiko bis Argentinien entstehen explosionsartig neue Tänze. Sie tragen aufregende Namen: Sarabanda, Chacona, Zamacueca, Pasacalle, Folia. Diese Tänze gelangen zurück nach Europa und eroberten die Europäische Barockmusik im Sturm.

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Südamerikanische Einflüsse in der europäischen Barockmusik
Vor Musizierfreude förmlich sprühte das Bach Consort Wien um seinen Dirigenten und Cellisten Rubén Dubrovsky beim 5. Playground-Festival. Mit seiner urwüchsigen Musikalität gelang es dem international besetzten Ensemble am Samstagabend im vollen Saal des Mon Ami im Nu, die Zuhörer mitzunehmen in eine ebenso temperamentvolle wie mitunter von leichter Melancholie durchsetzte musikalische Welt. Dabei verstand es Rubén Dubrovsky exzellent, den Bann zu brechen für die Folk Musik und Tänze Lateinamerikas und Einflüsse auf europäische Kompositionstechniken aufzuzeigen.
Sängerin Luciana Mancini und Tänzerin Luz Zenaida Hualpa Garcia vertieften die emotionale Wirkung der Instrumentalklänge mit ihrer imponierenden Gesangskunst beziehungseise Tanz. Dubrovsky fühlt sich gleichermaßen in der Folk Musik Argentiniens wie in der europäischen Alten Musik zu Hause und widmet sein Schaffen der Suche nach den gemeinsamen Wurzeln dieser Musikwelten. Die neue CD "Vidala" des BachConsort legt davon Zeugnis ab. Er war es auch, der die Weimarer The Playfords zu ihrem am Freitagabend aufgeführten, nicht minder gut besuchten Programm "La Flor de Canela" inspirierte, das peruanische, mexikanische, venezolanische und argentinische traditionelle und Alte Musik mit Tanz verbindet.
Mit Besucherrekorden ging die Jubiläumsausgabe des Playground-Festivals im Mon Ami am Sonntag zu Ende. Bei allen Konzerten kamen weit mehr Gäste als erwartet, berichtet Nora Thiele, dass bei den Konzerten "nachbestuhlt werden musste". Im Mittelpunkt stand bei der fünften Auflage mit der ungewöhnlichen Kombination "Latin Baroque" der kulturelle Austausch zwischen südamerikanischer und spanischer Kultur und Musik & Tanz der Barockzeit.
Dabei verstehe sich das viertägige Festival nicht als reines Konzertfestival, sondern bot in Workshops, Tanz und Jam-Sessions auch ein Experimentierfeld für Renaissance- und frühbarocke Musik in Verbindung mit Folk-Musik. Auch dieses Experimentierfeld sei bestens angenommen worden und erfreute sich in diesem Jahr besonders großer Teilnahme.
Bei den Konzerten wurde die Bühne in die Mitte des Saales gerückt. Das sei dem Klang hörbar zugute gekommen, begründet Nora Thiele von den veranstaltenden "Playfords". Viele Inspirationen und neue Perspektiven zeigte das Festival auch den Mitwirkenden auf. Dadurch ergäben sich Netzwerke, Grundlage für weitere Zusammenarbeit. "Beim Festival seien die Playfords auf Unterstützung angewiesen", sagte Nora Thiele. Um so mehr dankt sie den Förderern, unter ihnen die Stiftung mitteldeutsche Barockmusik. 2017 werde es das 6. Playground-Festival geben, Zum 500. Reformationsjubiläum werde Luther ein Thema sein. Die jüngste CD der Playfords "Luther tanzt" erschien im Juli.

Christiane Weber / 22.11.16 / Thüringische Landeszeitung


im Radio:

Sie können die Musikbeispiele (online) hören, indem Sie die folgende m3u-Datei herunterladen und diese mit dem Audio-Abspielprogramm Ihres Rechners öffnen:
Playground-2016 - m3u

Freitagabend:
Das 5. Playground-Festival beginnt mit einem Besucherrekord, es müssen noch stapelweise weitere Stühle rangeschafft werden. Wie immer ist die Bühne inmitten des Saales aufgebaut, mit buntem Herbstlaub und Papierschiffchen geschmückte Tische darum gruppiert, das Publikum ist bunt gemischt, alle, wirklich alle Altersklassen sind vertreten, sehr viele haben eigene Instrumente mitgebracht, kleine Kinder lümmeln auf den Couches oder wuseln umher - all das schafft eine familiäre Atmosphäre. Festliche, erwartungsfrohe Stimmung. The Playfords beginnen ihr Programm "La Flor de la Canela" - südamerikanische Folklore und Improvisation über Barock-Grounds - mit einer Instrumentalimprovisation über traditionellen spanischen Stücken. Mit dem bekannten "Star of County Down" tritt Sänger Björn Werner dazu, sein Bariton wird bald unterstützt durch den Mezzosopran der chilenischen Gastsängerin Luciana Mancini. Sie gestaltet dann mit dunkler, volltönender, raumfüllender Stimme einen großen Teil des Programms. Beim Singen ist ihr ganzer Körper tänzerisch gespannt und in Bewegung. Oft singen auch die Playfords Zeilen oder Wörter mit, fungieren somit nicht nur als exzellentes Begleitensemble, sondern auch als schöner Backgroundchor. Den "Canto en la Rama" führen sie a cappella auf. Zweiter Gast ist die peruanische Tänzerin Luz Zenaida Hualpa García. Relativ klein, mit indianischen Gesichtszügen, straff geflochtenem schwarzen Haar, in leuchtend gelbem Rock zu schwarzem Oberteil, bei späteren Auftritten ganz in Schwarz, mit schwarzem Schleiertuch oder weißem Fächer, tanzt sie mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik kleine Geschichten. Das rhythmische Stampfen ihrer Schuhe erinnert an Flamenco - ist das der spanische Einfluss oder wurde umgekehrt der spanische Flamenco von südamerikanischen Tänzen beeinflusst? Oder sind es gar afrikanische Einflüsse, die nach Amerika und von dort nach Europa gelangten? Aus einem im Programmheft abgedruckten Interview mit Rubén Dubrovsky lerne ich, dass tatsächlich einige europäische (Barock-)Tänze nachweislich auf afrikanische Wurzeln zurückgehen. In "Me giraton ¡Negra!" werden Lucianas Gesang und Luz' Tanz nur von Noras Cajonspiel begleitet, dazu wird gestampft und geklatscht, Sängerin und Tänzerin rufen expressiv: "¡Negra! ¡Negra! ¡Negra!" Beide verfügen gleichermaßen über starke, zu Herzen gehende Ausstrahlung. Im Verlauf des Abends erfreut immer wieder das sehr schöne, gleichermaßen rhythmische wie melodische Wechsel- und Zusammenspiel von Erik und Benjamin an Gitarre und Gambe. Nora beherrscht virtuos und stilistisch uneingeschränkt alle erdenklichen Arten von Trommeln und sonstigen Perkussionsinstrumenten (nicht verwunderlich, dass sie zu den Gefragtesten ihres Fachs gehört und umtriebig in allerlei Projekten agiert). Annegret improvisiert sich auf ihren Blockflöten allmählich in harmonisch freie Jazzlaune. Gegen Ende des Programms steigern sich die Playfords in der instrumentalen "Folie d'Espane" in irrwitziges Tempo und ernten dafür Jubelrufe. Für das letzte Lied "El Cascabel" ("Die Rassel") greift Erik zur Charango, Nora ratscht und rasselt auf dem Unterkiefer eines Pferdes, alle Akteure jammen ausgelassen. Danach stürmischer Applaus, begeistertes Bravojohlen. Zugabe mit sich einigermaßen gut einfügendem Handyklingelton. 20 Minuten Pause, danach kündigt Nora den nächsten, ebenfalls von vielen sehnlich erwarteten Programmpunkt an: die Early Music Jam Session. Jeder kann mitmachen, jeder ist willkommen, ganz unabhängig vom spielerischen Niveau. Auf der Bühne versammeln sich Barockviolinen, Gamben, Lauten, Theorben, Flöten, Trommeln; auf Stimmton 415 Hertz wird gemeinsam über bekannten Grounds ("Early Music Standards") und südamerikanischen Weisen improvisiert. Violinist Michael Spiecker moderiert zurückhaltend, spielt die Grundmuster an, animiert einzelne Musiker zu Soli, lässt verschiedene Instrumentengruppen klanglich hervortreten und verhilft so dem bunt zusammengewürfelten Ensemble zu einem dynamischen, abwechslungsreichen Gesamtklang. Rubén Dubrovsky mit seiner Charango bringt uns einige südamerikanische Weisen bei. Kleine Kinder wuseln mit Rasseln umher, fröhliche Tänzer finden sich, angeleitet von Luz und Luciana, auf dem Parkett ein. Erst weit nach Mitternacht gehen wir auseinander.

Samstagabend:
Konzert mit dem Bach Consort Wien unter Leitung von Rubén Dubrovsky. Für das Programm "Vidala" besann sich der Ensembleleiter der Volksmusik seiner argentinischen Heimat, tauschte den Dirigentenstab gegen die Charango, eine kleine doppelchörig besaitete Gitarre mit dem Korpus aus dem Panzer eines Gürteltiers, und begibt sich mit seinen Mitmusikern (Agnes Stradner, David Drabek: Barockvioline, Daniele Caminiti, Mirko Arnone: Theorbe, Barockgitarre, Colascione, Salvador Toscano: Bomba, Perkussion) auf musikalische Forschungsreise: Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen südamerikanischer Musik und europäischer Barockmusik sollen hörbar gemacht werden. Mit der Eroberung Amerikas gelangten spanische und portugiesische Zupfinstrumente dorthin, afrikanische Sklaven brachten ihre Musikkultur mit, diese Einflüsse vermischten sich mit der Musik der amerikanischen Ureinwohner, Neues entstand, das nach Europa zurückwirkte. Die Vidala z.B. ist ein von Schlagzeug begleiteter Klagegesang, der durch Überlagerung von Zweier- und Dreiermetrum gekennzeichnet ist - diese rhythmische Überlagerung fand auch in die europäische Barockmusik Eingang. Es erklingt schöne, lebensfrohe südamerikanische Musik auf Barockinstrumenten. Geiger und Trommler bewegen sich souverän durch vertrackte Rhythmen. Rubén spielt nicht nur sehr expressiv und mit lustigen tänzerischen Bewegungen Charango, Barockgitarre und fünfsaitiges Barockcello, er führt auch sehr unterhaltsam und mit vielen Späßen durch das Programm. Die Charango und ihre Begleiter müssen oft nachgestimmt werden - Rubén kokettiert: "Sein halbes Leben verbringt der Musiker mit Stimmen, in der anderen Hälfte spielt er auf einem verstimmten Instrument." Luciana tritt wieder als Sängerin in Erscheinung. Luz tanzt zur Zamba (nicht zu verwechseln mit der brasilianischen Samba, "zambo" = Mischung aus indio und negro), einem sehr berührenden, nur von Trommel und Zupfern begleiteten Gesang. Ansonsten animiert sie immer wieder aus dem Publikum heraus zum rhythmischen Mitklatschen. Salvador spielt auf der Bomba, einer in Südamerika verbreiteten, sehr wahrscheinlich aus Afrika stammenden Trommel, häufig virtuose Soli. Nora bekommt einen "Freifahrtschein" - immer wenn es ihr in den Fingern zuckt, soll sie auf die Bühne kommen und mittrommeln. Zu dritt spielen sie (Cajon), Salvador (Bomba) und Rubén (Cello) eine freie Improvisation - "wir haben uns nur ausgemacht, dass wir uns nichts ausmachen" und "wer sich zuerst bewegt, hat verloren." Der Spruch gefällt unserem Sohn, der heute mitgekommen ist (wieder ein sehr familienfreundlicher Abend mit vielen Kindern). Zum Schluss werden alle Playfords für ein gemeinsames Lied mit auf die Bühne geladen. Nach dem Konzert kündigt Nora wieder die Jam Session an, muss nicht viel dazu sagen, denn "jetzt wisst ihr ja, wie's läuft".

Waren wieder sehr schöne Konzerte, Gesang und Tanz und gemeinsames Musizieren auf dem Playground-Festival; einziger Kritikpunkt: Im Programmheft, das immerhin ein Interview mit Rubén Dubrovsky und die Liedtexte des Playford-Programmes enthält, hätte ich mir auch Informationen über die anderen beteiligten Musiker und Tänzerin Luz sowie einen Quellennachweis des Titelbildes gewünscht. Trotz großer Publikumsresonanz wäre ein Festival mit solch hochkarätigen Gästen ohne die Förderung durch verschiedene Stiftungen/Sponsoren nicht möglich - hoffen wir, dass diese Quellen nicht versiegen, so dass Playground auch fürderhin mit großartigen Programmen aufwarten kann.

Jan-Markus Teuscher im Crossover

Veranstaltungen:

Donnerstag, 17.11.2016, 19 Uhr, warming up
Tango - Practica & Milonga
mit Carlos Tapias mon ami

Freitag, 18.11.2016, 20 Uhr, Konzert
"FLOR DE CANELA"
Folklore aus Chile und Peru & Improvisation über Barock-Grounds
THE PLAYFORDS
Gäste: Luciana Mancini (Chile) - Gesang
Luz Zenaida Hualpa Garcia (Peru) - Südamerikanischer Folkloretanz
ca. 21.30 Uhr Tänze zum Mittanzen für Alle & Early Music Jam Session I

Samstag, 19.11.2016, 20 Uhr, Konzert
"VIDALA" - argentinische Folklore und Frühbarocke Musik
Vidalas, Chacarera, Zamba und Barockmusik
BACH CONSORT WIEN
Francisco Brito, Tenor
Leitung: Rubén Dubrovsky
ca. 21.30 Uhr Early Music Jam Session II

Sonntag, 20.11.2016, 16 Uhr, Workshop Café
Präsentationen aus den Improvisations- und Tanzworkshops


Workshops:

Samstag & Sonntag, 19. & 20.11.2016
jeweils 10 bis 17 Uhr
Bernd Niedecken (Historischer Tanz)
Luz Zenaida Hualpa Garcia (Südamerikanischer Folkloretanz)
Michael Spieker (Historische Improvisation)
The Playfords (Band Coaching, Improvisation, Groovetraining)
Informationen hier


Die Konzerte

"FLOR DE CANELA" - Folklore aus Chile und Peru & Improvisation über Barock-Grounds
Das mitteldeutsche Ensemble THE PLAYFORDS (Organisatoren und Gastgeber des Festivals) geben am Freitag, den 18. November das Eröffnungskonzert. Mit der Gastsängerin Luciana Mancini (Chile/D) und der Tänzerin Luz Zenaida Hualpa Garcia (Peru/D) präsentieren sie chilenische und peruanische Folklore auf historischen Instrumenten sowie Improvisationen über spanische Grounds.

Luciana Mancini



"VIDALA"
argentinische Folklore und Frühbarocke Musik - Vidalas, Chacarera, Zamba und Barockmusik

Das diesjährige Gast-Ensemble für den Samstag Abend (19.11.16) ist das BACH CONSORT WIEN unter der Leitung des argentinischen Dirigenten und Cellisten Rubén Dubrovsky (ARG/AUT). Der Wahlwiener Rubén Dubrovsky wurde als Sohn einer polnisch-italienischen Künstlerfamilie 1968 in Buenos Aires geboren. Seinen Weg als Musiker prägen zwei unterschiedliche Erfahrungen, die er bis heute gekonnt und auf inspirierende Weise verbindet: einerseits die klassische Ausbildung als Cellist und Dirigent, andererseits seine passionierte Forschungsarbeit über traditionelle südamerikanische Musik und ihre gemeinsamen Wurzeln mit der europäischer Barockmusik. Diese Arbeit spiegelt sich in dem Programm "VIDALA" wider, welches auch als CD vorliegt.

Bach Consort Wien



Das Playground-Festival ist kein reines Konzertfestival, sondern lädt zum aktiven Mitgestalten ein. Am Samstag und Sonntag können tagsüber Workshops in den Themenbereichen Historischer Tanz (mit Bernd Niedecken), Südamerikanischer Folkloretanz (Luz Zenaida Hualpa Garcia) und Historische Improvisation, Arrangement, Liedbegleitung, und Band-Coaching (Michael Spieker und The Playfords) besucht werden. Alle Niveaus sind willkommen! Wie immer wird es anschließend an die Konzerte die legendären Jam Sessions geben, wo Jede/r eingeladen ist mitzuspielen.









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